Aktuelles
Stand November 2016
Seit über
65 Jahren
internationale
Tagungen


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Aktuelles vom Verein VEGJD e.V.
 
Unsere nächste internationale Arbeitstagung 2017 "Inshaallah oder doch mit Konzept? - Junge Flüchtlinge in der Erziehungshilfe"
findet vom 25. April bis 28. April 2017 wieder in Rendsburg / Tagungsstätte Martinshaus statt.
Weitere, immer den aktuellen Stand der Planung wiedergebende Informationen gibt es unter Vorschau Tagung 2017





Den Rundbrief des VEGJD e.V. des Jahres 2016 - unter anderem mit den Berichten von der internationale Fachtagung zum Thema "PARTIZIPATION IN DER HEIMERZIEHUNG - Teilhabe oder feindliche Übernahme?" - finden Sie im Downloadbereich

Im Downloadbereich steht ebenfalls die Infobroschüre der AIEJI (dem Weltverband, dem der VEGJD e.V.) zum herunterladen für Sie bereit.





Aktuelles aus der Arbeit im AIEJI - Weltverband
 
Die Deklaration der AIEJI-Tagung 2009 findet sich jetzt in deutscher Sprache unter "Internationaler Arbeit"


Definition des Begriffs "Sozialerzieher" im Sprachgebrauch der AIEJI


Unter dem Begriff "Sozialerzieher" fasst man in der AIEJI all diejenigen Berufsgruppen zusammen, die aufgrund ihrer Ausbildung, so wie sie in den jeweiligen Ländern erforderlich ist, mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowohl einzeln, als auch in Gruppen und / oder in gemeinsamer Verbundenheit arbeiten und diese bei allen gemeinsamen Bildungs- und Erziehungsmaßnahmen begleiten und zwar mit dem Ziel, dass sie hinsichtlich ihrer Eingliederung in die Gemeinschaft (Sozialisation) und in ihrem Entwicklungsprozess die wichtigsten Personen (Protagonisten) sind.
In Deutschland fallen zumeist Erzieher, Sozialpädagogen, Sozialarbeiter beiderlei Geschlechtes unter diese Definition
Vorschlag eines Internationalen Ethik-Codes für Sozialerzieher

Warum sollten wir einen Ethik-Code für Sozialerzieher haben?

Seit Aristoteles´ Zeiten ist es eine Tatsache, dass die Wissenschaft auf generellen Dingen einerseits und praktischen Details andererseits basiert.

Die Erziehungspraxis basiert auf Details zwischen den Einzelpersonen, weil die Erziehungspraxis zwischen dem Erzieher und dem Klienten stark von der zwischenmenschlichen Beziehung geprägt ist.
Insbesondere ist in vielen Fällen diese spezielle Beziehung bei Personen in Not, in Schwierigkeiten, bei Vereinsamung und in Stresssituationen gefordert. Diese einzigartige Verbindung erfordert einen Pakt zwischen den beiden Parteien, einen Vertrag, einen Plan, ein Programm. So ein Pakt des Vertrauens ist durch das tiefe Misstrauen, das zwischen den beiden Parteien besteht, notwendig.

Es ist eine Tatsache, daß Sozialerzieher (und Ausbilder) in den meisten Ländern nicht immer Profis mit einem starken sozialen, politischen oder professionellen Status sind. Wenn sie jedoch die Verantwortung für eine Person übernehmen, die leidet und wenn sie dabei ihre Kenntnisse und ihre Erfahrungen einbringen, um mit dieser Person einen Aufbauprozess, einen In-sich-kehren-Prozess oder eine sonstige persönliche Entwicklung beginnen, finden sie normalerweise einen Fragenden vor sich, jemanden in einer bedürftigen Situation, während sie (die Sozialerzieher) sich gleichzeitig in der Position desjenigen befinden, der diese Abhängigkeit durch Persönlichkeit, durch Professionalität und durch Erfahrung ändern (beeinflussen) kann, Eigenschaften, die diese Abhängigen nicht haben.Diese professionellen Fähigkeiten geben dem Sozialerzieher (und Ausbilder) gerade aus dem Blickwinkel des Klienten eine Macht, die die Ungleichheit innerhalb der Gesellschafts-Erziehungs-Funktion (Tätigkeit) darstellt.

Es ist in der Tat so, dass eine erfolgreiche erzieherische Beziehung ein Pakt zwischen Parteien ist, aber dadurch wird kein blindes Vertrauen von der zu erziehenden Person benötigt, der Sozialerzieher muss jedoch in der Lage sein, der anderen Person einen Ethik-Code anzubieten, der die Macht des Sozialerziehers limitiert (eingrenzt).

Während der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts entwickelte sich die Sozial-ausbildungs - Wissenschaft und die riskanten Freiwilligkeitskomponenten, mit denen alles begann, wurden langsam ausgemerzt. Während dieser Periode der Entwicklung zur Professionalität, durch die mehr Erfahrung und angewandte wissenschaftliche Erkenntnisse den Standard zu ?guten Ausbildungspraktiken? erhöhten, wurde dies nicht nur durch Rationalität und Wirksamkeit erreicht, sondern auch durch akzeptables Wirken von einem ethischen Standpunkt aus.Als Beispiel einer ungeschriebenen, aber weltweit akzeptierten Norm für Sozialerzieher mag hier stehen: Anerkennung einer speziellen und einzigartigen Charakteristik für einen jeden Erziehungsprozesses (Ausbildungsbeziehung) und insbesondere der einzigartigen Charakteristik eines jeden Klienten, so daß die Erziehungsprogramme niemals ausgetauscht zu werden brauchen.

Eine zweite nicht geschriebene Norm, aber auch universell anwendbar ist die Notwendigkeit, die gesamte Person zu berücksichtigen. Man erzieht nicht, weil etwas fehlt oder weil etwas nicht funktioniert, statt dessen übernimmt man die Verantwortung für die gesamte Person in seiner/ihrer Gesamtheit, seiner/ihrer Zurückgezogenheit (seines/ihres Widerstandes), seiner/ihrer Bedürfnisse sowie seiner/ihrer Stärken und Fähigkeiten.

Diese Taktiken gibt es bereits, genauso wie andere, die von Sozialerziehern (und Ausbildern) angewendet werden. Sie sind wertvoll, um in einem Ethik Code mit aufgenommen zu werden.

Der Grund (die Ursache) für diesen Ethik Code:

Der Ethik-Code hat verschiedene Gründe. Der erste ist sehr präzise (ausdrücklich) und stellt die spezifische, moralische, generelle Erzieher-Norm dar. Unter einem Internationalen Code kann die Arbeit sehr unterschiedlich sein und deshalb müssen wir sehr vorsichtig sein, wenn wir diese Standards universell festschreiben.

Der zweite Grund ist, das Vertrauen und die Legitimität des Sozialerzieher-Berufes in den Augen der Gesellschaft zu festigen.

Der dritte Grund ist, die Sozialerzieher darauf vorzubereiten, ihre Rolle mit Klienten, die immer anspruchsvoller werden, wahrzunehmen.

Der vierte Grund eines Ethik Codes ist, daß dieser die Basis in der Ausbildung des Sozialerziehers sein soll, weil dieser sich nicht nur durch seine Kenntnisse und sein Wissen, sondern auch durch seine moralischen Prinzipien, die sein Verhalten leiten, qualifiziert.

Der fünfte und letzte Grund für einen Ethik Code ist ein ganz wesentlicher: Der Code, allein durch sein Vorhandensein, wird Professionelle (Profis) anregen, darüber nachzudenken, was dieser Code nicht ist, wo seine Grenzen sind, was man nicht erwarten darf und was Sozialerzieher nicht darin finden werden.

In dem vorgeschlagenen Code könnte der erste Titel sein: "Generelle Pflichten eines Sozialerziehers", es sollen die generellen Normen der Ausbildungs-Praxis dargestellt werden, die in vollem Umfang gültig sind und auf der Suche nach praktikablen Lösungen (Wegen) basieren.

In dem zweiten Titel des Codes: "Verpflichtungen des Erziehers / Sozialarbeiters in Bezug auf den Klienten" werden wir versuchen, die Normen klar darzustellen, damit die Beziehung zwischen dem Sozialerzieher und dem Klienten nicht nur effektiv, sondern auch wichtig und moralisch akzeptabel verstanden wird. Wir wissen ja bereits - wie vorher erwähnt - dass eine Erziehungsbeziehung einmalig und von Fall zu Fall unterschiedlich ist und dass sich Erziehungssituationen nicht wiederholen. Trotzdem hat sich die Erziehungspraxis in den letzten Jahren zu universellen Normen hinentwickelt, die die Erziehungsbeziehung definiert.Der Code sollte die Gleichheit, aber auch die zahllosen Ausnahmen sichtbar machen, die noch einer Regulierung bedürfen.

Dieser Teil des Codes zeigt die höchst möglichen Werte des Erziehungspaktes an, soll aber gleichzeitig den niedrigsten akzeptablen Standard aufzeigen.

Der dritte Titel: ?Beziehungen zwischen den Sozialerziehern und anderen Berufen?zeigt die Normen für eine Zusammenarbeit und allgemeinem Respekt, nicht nur zwischen den Sozialerziehern, sondern auch zwischen den Sozialerziehern und anderen Berufen, die oftmals bezüglich ein und derselben Person zusammenarbeiten. In einigen Fällen und unter bestimmten Voraussetzungen können Konflikte zwischen den Verpflichtungen - wie in dem zweiten und dem dritten Kapitel des Codes beschrieben - auftauchen. In solchen Fällen sollen die Verpflichtungen gegenüber dem Klienten Vorrang haben.

Der vierte Titel ist: "Die Ausübung des Berufes". Dieser Titel bezieht sich primär auf die praktische Anwendung von "wer", "wann" und "wo". Dieses ist dann nur ein temporäres Kapitel.

Ein Ethik Code ist niemals abgeschlossen und bedarf kontinuierlicher Verbesserung und Prüfung, insbesondere bedarf dieses Kapitel wegen der großen Unterschiede in der Praxis in unseren verschiedenen Ländern großer Aufmerksamkeit, selbst heute noch.

Spezielle Eigenschaften (Voraussetzungen) des AIEJI Codes.

Der letzte Titel des Codes sollte generelle Konsequenzen beinhalten, die die AIEJI glaubt, den Mitgliedern und Ausbildern, die zur AIEJI gehören, auferlegen zu können oder nicht.

Was der Code nicht sein kann, was er nicht aussagt und was er nicht lösen kann:

Ein großer Teil der Erziehungsarbeit ist, Konflikte zu lösen oder wenigstens den Versuch zu unternehmen, diese zu lösen. Konflikte können auch zwischen Vertretern von verschiedenen Erziehungspraktiken auftreten und der Code kann dabei keine Lösungen bieten. Er kann auch dem Sozialerzieher nicht sagen, wie er in ganz bestimmten Fällen reagieren muss. Verpflichtungen gegenüber den Klienten und der Gesellschaft sind unzertrennbar, aber wir wissen alle, dass diese manchmal getrennt werden müssen.

Ethik Codes neigen dazu, diese Konflikte nicht aufzuzeigen, sondern Lösungen, wie sie in der Vergangenheit gefunden wurden. Diese Lösungen können aber wieder neue Probleme hervorrufen, wenn eine Konfliktsituation auftritt.

Ein Konflikt kann ganz leicht vorkommen zwischen der gut gemeinten Idee des Sozialerzieher und den Vorstellungen des Klienten. Gutgemeinte Ideen zur sozialen Integration können von Person zu Person unterschiedlich sein. Sie hängen davon ab, was die Person über das Leben denkt, welchen Glauben und welchen Wert diese Person dem Leben überhaupt einräumt. In solchem Fall, sollte die angewandte Ethik auf dem Prinzip, das allen Demokratien zugrunde liegt, u.z. dem Pluralismus, beruhen. Unser Ethik-Code sollte sich auf den selben Geist des Pluralismus verständigen, der alle demokratische Gesellschaften vorantreibt.

Der Code, den die AIEJI vorschlagen möchte, kann nur innerhalb dieses gesellschaftlichen Rahmens funktionieren.



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